Der Betrieb des Bahnstreckenabschnitts zwischen Lauda und Osterburken wird künftig vollständig vom Land Baden-Württemberg finanziert. Das teilte der Main-Tauber-Kreis mit, der bislang gemeinsam mit dem Neckar-Odenwald-Kreis für einen Teil der Kosten aufkam. Die beiden Landkreise übernahmen bisher den Anteil, der nicht durch Ticketverkäufe gedeckt wurde. Steigende Fahrgastzahlen führten nun aber dazu, dass das Land den Streckenabschnitt vollständig finanziert.
Deutlich gestiegene Fahrgastzahlen
Die Landräte der beiden Landkreise begrüßen die finanzielle Entlastung: „Das ist ein großer Erfolg, das tut einfach gut“, sagt Christoph Schauder, Landrat des Main-Tauber-Kreises. „Unsere Beharrlichkeit hat sich hier ausgezahlt. Mein Kollege Achim Brötel und ich danken dem Verkehrsministerium, das sich auf eine faire Vereinbarung eingelassen und beim Wegfall der Zahlungspflicht nun Wort gehalten hat.“ Auch Dr. Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, sieht im Wegfall der Kosten eine wichtige Entlastung: „Diese Entwicklung kommt wie gerufen, damit wird ein Beitrag zur Entlastung der Haushalte geleistet.“
Christoph Schauder hatte als damaliger Erster Landesbeamter im Main-Tauber-Kreis am Start des Regionalbahn-Betriebs teilgenommen. Seitdem haben sich beide Landkreise kontinuierlich um die Gewinnung von mehr Fahrgästen bemüht. Mit Erfolg: Zwischen Juli 2023 und Juni 2024 lag die Auslastung der RB 85 zwischen Lauda und Osterburken bei durchschnittlich 400 Fahrgästen. Von Juni 2025 bis Juli 2026 wurden erstmals mehr als 500 Fahrgäste täglich in den Regionalbahnen gezählt. Aufgrund dieser hohen Nachfrage entfällt die Mitfinanzierung durch die Landkreise ab 2027 vollständig.
Finanzielle Entlastung für Landkreise
Ursprünglich sollten beide Landkreise zusammen die übrigen 40 Prozent der Kosten übernehmen, die nicht durch das Land gedeckt wurden. Da ein größerer Teil der Strecke durch den Main-Tauber-Kreis führt, entfielen davon 75 Prozent auf diesen. 25 Prozent trug der Neckar-Odenwald-Kreis. Im Jahr 2024 beliefen sich die Kosten auf 3,6 Millionen Euro. Auf die beiden Landkreise entfielen 1,6 Millionen Euro, davon 1,1 Millionen Euro auf den Main-Tauber-Kreis und 360.000 Euro auf den Neckar-Odenwald-Kreis. Durch die gestiegenen Fahrgastzahlen haben sich die Kosten bereits halbiert und beide Landkreise können sparen: In den ÖPNV-Haushaltsansätzen 2027 kann der Main-Tauber-Kreis aufgrund der Entwicklung 585.000 Euro sparen. Beim Neckar-Odenwald-Kreis sind es 195.000 Euro.
Dem heutigen Regelbetrieb war ab dem Jahr 2019 ein dreijähriger Probebetrieb vorausgegangen, auf den sich die beiden Landkreise nach Verhandlungen mit dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg verständigt hatten. Wegen der Corona-Pandemie wurde dieser um ein Jahr verlängert. Nach der Pandemie stiegen die Fahrgastzahlen deutlich, sodass der Regionalbahnbetrieb dauerhaft fortgeführt wurde. Die vereinbarten Schwellenwerte von zunächst 400 und später 500 Fahrgästen pro Tag wurden jeweils überschritten.
Bessere Verbindungen für Pendler:innen
Von dem Angebot profitieren insbesondere Pendler:innen. „Der Regionalbahnbetrieb gibt zudem Berufspendlern die Verlässlichkeit, dauerhaft und kostengünstig vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen“, so Landrat Dr. Achim Brötel. Zugleich trägt die Bahn als vergleichsweise klimafreundliches Verkehrsmittel dazu bei, den CO₂-Ausstoß im Verkehr zu verringern. Mit der dauerhaften Fortführung des Regionalbahnbetriebs sollen auch die Anschlüsse an den Stationen verbessert werden. An allen Bahnhaltepunkten sind künftig umfangreichere Zu- und Abbringerverkehre mit Linienbussen und Ruftaxis vorgesehen. Die Fahrpläne sollen dabei vor allem auf den Schülerverkehr abgestimmt werden. Zudem soll die für 2031 geplante Modernisierung der Station Königshofen die Umsteigesituation zwischen Tauber- und Frankenbahn weiter verbessern.
