Die Verträge der Regional- und On-Demand-Verkehre im Landkreis Tuttlingen enden im Dezember 2029, der Verkehrsvertrag im Stadtverkehr 2032. Bis dahin muss der Landkreis die Leistungen neu ausgeschrieben haben. Aufgrund roter Zahlen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beschloss der Kreistag eine grundlegende Reform, von der sich das Landratsamt ein bis zwei Millionen Euro Einsparungen erhofft. Derzeit fährt der ÖPNV in Tuttlingen ein jährliches Defizit von acht Millionen Euro ein. Zu den erhofften Einsparungen könnten etwa 500.000 Euro mehr Einnahmen kommen, die durch eine effizientere Nutzung von Rufbussen erzielt werden könnten.
Niedrige Fahrgastzahlen in Tuttlingen
In den vergangenen Monaten fanden vermehrt Fahrgastzählungen und eine Analyse der Situation im Landkreis statt. Demnach ist die Nachfrage nach Bussen vor allem in den kleinen Ortsteilen Immendingen, Geisingen, Neuhausen ob Eck und in den östlich liegenden Ortsteilen Buchheim, Bärenthal und Irndorf gering. Die Linie 240, die Mühlheim, Mahlstetten, Böttingen und Wehingen miteinander verbindet, ist am wenigsten frequentiert. Die schlechten Fahrgastzahlen betreffen auch den Berufsverkehr: die Linien zwischen Tuttlingen und dem Take-off-Gewerbepark in Neuhausen ob Eck und die Linie 147 über Spaichingen, Trossingen und das Gewerbegebiet Nagelsee in Aldingen werden ebenfalls wenig genutzt.
Änderungen in Tuttlingens Nahverkehr
Weniger betroffene Linien werden dagegen fortgeführt und fahren zusätzlich auch abends oder an Wochenenden, wie zum Beispiel die Linien zwischen Tuttlingen und Fridingen. Verbindungen auf dem Heuberg zwischen Aldingen, Aixheim und Frittlingen werden zusammengelegt oder befahren andere Abschnitte. Letztere sollen ebenfalls an die Anschlüsse Richtung Balingen und Schömberg angepasst werden. Dazu soll die Linie 220 zwischen Aldingen und Wehingen zukünftig eine größere Rolle spielen und ganztags im Stundentakt fahren. Auch Verbindungen, die in den Nachbarkreisen fahren, sollen nach den Änderungen stärker in Tuttlingens Nahverkehrsnetz einbezogen werden. So sind etwa durchgehende Buslinien nach VS Schwenningen, Meßkirch und Stockach geplant. Die Fahrpläne des Ringzugs sollen dabei berücksichtigt werden.
Mäßige Zufriedenheit im Landkreis
In einer Online-Umfrage der „Schwäbischen Zeitung“ konnten Leser:innen abstimmen, wie zufrieden sie mit Sauberkeit, Einkaufsmöglichkeiten oder Sicherheit in ihren Wohngemeinden sind. Auch nach der Qualität des ÖPNV wurde gefragt. Bei insgesamt 2.360 Teilnehmenden fiel die Bewertung insgesamt mittelmäßig aus. Auf die Fragen „Wie gut ist Ihre Stadt/Gemeinde an den öffentlichen Nahverkehr angebunden?“ und „Wie bewerten Sie die Taktung und Zuverlässigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel an Ihrem Wohnort?“ ergaben sich folgende Ergebnisse aus den einzelnen Gemeinden in Tuttlingen: Wurmlingen (7,46), Mühlheim (6,97), Fridingen (6,57), Seitingen-Oberflacht (6,44) und Tuttlingen (6,34) sind die Gemeinden, die innerhalb der Umfrage am zufriedensten mit der ÖPNV-Anbindung waren. Leser:innen aus Buchheim bewerteten den ÖPNV in ihrer Gemeinde lediglich mit 3,72 Punkten und stellten damit zusammen mit Wehingen (4,74) die unzufriedensten Gemeinden dar. Gemessen wurden die Werte auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (hervorragend). Insgesamt ergab sich ein durchschnittlicher Wert von 5,7 für den Landkreis.
Änderungen des Landratsamtes Tuttlingen
„Die Gesamtzufriedenheit mit dem ÖPNV-Angebot im Landkreis Tuttlingen ist insgesamt auf durchschnittlichem Niveau“, bestätigt das Landratsamt. Der Linienverkehr wurde in der Umfrage überwiegend positiv bewertet, weniger gefallen Einwohner:innen die „Hey! Move“-Rufbusse. Dabei wird nicht das System kritisiert, sondern eher die Verfügbarkeit: Derzeit fahren sieben Rufbusse je nach Bedarf quer durch den Landkreis. Sind sie ausgebucht, können Passagiere, die zu spät dran sind, diese nicht mehr nutzen. Auch das soll sich ab 2029 ändern. Der Entwurf des Nahverkehrsplans ist auf der Webseite des Landaratsamtes Tuttlingen einsehbar.
