Die Deutsche Bahn (DB) hat ihre Pläne zur Generalsanierung hochbelasteter Strecken grundlegend überarbeitet. Ursprünglich war vorgesehen, die Erneuerung von mehr als 40 stark frequentierten Bahnstrecken bis 2031 abzuschließen. Nun soll die Umsetzung schrittweise bis 2036 erfolgen. Die endgültige Entscheidung über die zeitliche Reihung der Korridore liegt beim Bund.
In Frankfurt am Main fand dazu ein umfassender Austausch zwischen der DB InfraGO AG, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Verbänden und Vertretern der Länder statt. Ziel war es, die Planungszyklen an die begrenzten Ressourcen der Baubranche und die Laufzeit des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaschutz anzupassen.
Zeitplan 2026 und 2027 steht fest
Für die Jahre 2026 und 2027 bleiben die bisherigen Planungen bestehen. Die Ausschreibungen sind weit fortgeschritten, Umleitungskonzepte mit den Verkehrsunternehmen abgestimmt und neue Fahrpläne in Arbeit.
Für 2026 sind Generalsanierungen auf folgenden Strecken vorgesehen:
- Hagen – Wuppertal – Köln
- Nürnberg – Regensburg
- Obertraubling – Passau
- Troisdorf – Wiesbaden
Im Jahr 2027 folgen diese Korridore:
- Rosenheim – Salzburg
- Lehrte – Berlin
- Bremerhaven – Bremen
- Fulda – Hanau
Angepasster Zeitplan ab 2028
Ab 2028 soll ein neuer, gemeinsam entwickelter Zeitplan greifen. Laut DB wurden die Rückmeldungen aus der Branche sowie Erfahrungen aus dem Pilotprojekt Riedbahn in die Neuplanung integriert. Auch Hinweise zur Belastbarkeit von Umleitungsstrecken und zu begrenzten Kapazitäten im Bahnbau wurden berücksichtigt.
Vorgeschlagen sind ab 2028 unter anderem folgende Sanierungen:
- Köln – Mainz
- München – Rosenheim
- Hagen – Unna – Hamm
- Lübeck – Hamburg
Die Korridore Lübeck–Hamburg und Frankfurt–Heidelberg, ursprünglich für 2027 vorgesehen, wurden auf spätere Jahre verschoben.
Baukonzept: Bündelung statt Einzelmaßnahmen
Bei der Generalsanierung verfolgt die Bahn einen neuen Ansatz: Alle baulichen Maßnahmen an einem Streckenabschnitt sollen gebündelt innerhalb weniger Monate abgeschlossen werden. Während dieser Zeit werden die Strecken vollständig gesperrt. Ziel ist es, durch diese gebündelten Eingriffe schneller bessere Netzqualität zu erreichen und gleichzeitig die Belastung für Reisende und Güterverkehr zu minimieren.
Ein erstes Beispiel war die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim, die 2024 vollständig modernisiert und im Dezember planmäßig wieder in Betrieb genommen wurde. Als nächstes steht ab August 2025 die umfassende Sanierung der Strecke zwischen Hamburg und Berlin an.
Branche unterstützt gestreckte Planung
Branchenverbände wie der Verband der Güterbahnen begrüßen die angepasste Taktung. Geschäftsführer Peter Westenberger erklärte: „Die vom Infrastrukturbetreiber vorgeschlagene Streckung des Programms bis 2036 bietet Chancen, die Projekte besser vorzubereiten.“ Insbesondere gehe es um tragfähige Umleitungsstrecken und eine realistische Ressourcenplanung.
Finanzierung bleibt Herausforderung
Die Bundesregierung plant Investitionen von rund 107 Milliarden Euro in die Schiene bis 2029 – finanziert aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz. Bahnchef Richard Lutz sieht jedoch noch eine Finanzierungslücke. Der Bundesrechnungshof mahnt indes eine Gesamtstrategie an und warnt davor, allein mit höheren Finanzmitteln die strukturellen Probleme im Schienennetz lösen zu wollen.
Das Bundesverkehrsministerium plant bis Mitte August die formale Abstimmung der überarbeiteten Planungen mit allen Beteiligten. Ziel ist es, einen stabilen Bau- und Fahrplanprozess für die kommenden Jahre sicherzustellen.
