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Selbstfahrend durch Europa – Pilotprojekte im Check: FLASH in Rackwitz

Mit bis zu 70 km/h automatisiert durch den ländlichen Raum: Das Projekt FLASH in Sachsen zeigt, was die Technik leistet und welche Herausforderungen bleiben.

In dieser Folge unserer Reihe „Selbstfahrend durch Europa – Pilotprojekte im Check“ steht FLASH im Landkreis Nordsachsen im Fokus. Die Abkürzung steht für „Fahrerloses automatisiertes Shuttle“. Seit Juli 2022 verbindet der umgebaute Kleinbus den Bahnhof Rackwitz mit der Schladitzer Bucht am Schladitzer See nördlich von Leipzig. Dort können Fahrgäste zwischen Shuttle und S-Bahn umsteigen. Das Fahrzeug bietet etwa 20 Fahrgästen Platz.

Zum Einsatz kommt ein VW Crafter, der auf einer rund sieben Kilometer langen Strecke auch Überlandabschnitte befährt. Im automatischen Betrieb erreicht er bis zu 70 km/h. Die Linie richtet sich vor allem an Ausflügler, die im Sommer die Naherholungsziele rund um die Schladitzer Bucht und den Biedermeierstrand besuchen.

Patricia Liberatore und Dr. Martin Schiefelbusch vom Zukunftsnetzwerk ÖPNV haben FLASH besucht und schildern ihre Eindrücke.

 

Im Gespräch mit Patricia und Martin

Zukunftsnetzwerk ÖPNV: Vor welchem Hintergrund ist das Projektes FLASH entstanden?

Patricia Liberatore: Knapp die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner Sachsens lebt in ländlich geprägten Regionen und kleineren Städten. Eine der zentralen Herausforderungen des öffentlichen Nahverkehrs ist die Erschließung dünn besiedelter Räume. Hier setzt das Projekt FLASH an. Bereits auf unserer Fahrt vom Leipziger Hauptbahnhof Richtung Projektgebiet wird deutlich, wie weitläufig die Region ist. Gerade in solchen Gebieten können innovative Mobilitätsangebote einen wichtigen Beitrag leisten, um die Erreichbarkeit zu verbessern und den öffentlichen Verkehr attraktiver zu gestalten.

Was hat euch überrascht? Was ist besonders am Projekt?

Dr. Martin Schiefelbusch: Besonders beeindruckend ist, wie viel Technik und Arbeit nötig sind, um ein Serienfahrzeug zu einem automatisierten Shuttle umzubauen. Beim VW Crafter dauerte das rund ein Jahr. TS Fahrzeugtechnik übernahm den Fahrzeugumbau, IAV entwickelte die Software und das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI die Leitstellensoftware. Besonders IAV und Fraunhofer IVI mussten ihre Arbeit eng aufeinander abstimmen.

Patricia: Auch das Betriebspersonal musste sich auf besondere Anforderungen einstellen. Bevor die Fahrerinnen und Fahrer das Fahrzeug im Fahrgastbetrieb einsetzen konnten, absolvierten sie eine eintägige Schulung mit theoretischen und praktischen Inhalten. IAV hatte diese speziell für das Projekt entwickelt.

Wo liegen die Grenzen – und was bedeutet das für den Einsatz?

Martin: Der Begriff „fahrerlos“ weckt Erwartungen, die das Fahrzeug noch nicht erfüllt. Tatsächlich fährt FLASH auf Automatisierungsstufe Level 2. Das Shuttle kann auf festgelegten Streckenabschnitten zwar alle Fahraufgaben automatisiert ausführen, die Fahrerinnen und Fahrer müssen die Fahrt aber jederzeit aufmerksam überwachen und tragen weiterhin die Verantwortung.

Wie geht es weiter?

Patricia: Der FLASH-Bus soll zunächst weiterhin in den Sommermonaten fahren, obwohl der eigentliche Förderzeitraum bereits abgeschlossen ist.

Welche Erkenntnisse ziehen die Projektverantwortlichen?

Martin: Sie betonen vor allem, wie viel Personal und Organisation solche Vorhaben erfordern. Gerade kleineren Verkehrsunternehmen wie Nordsachsen Mobil fehlen häufig die Ressourcen, um komplexe Innovationsprojekte über mehrere Jahre zu begleiten.

Patricia: Für den möglichen Einsatz von Level-4-Fahrzeugen sehen die Verantwortlichen weitere Herausforderungen. Vor allem die Frage, wer im Schadensfall haftet, gilt als wesentliches Hindernis. Hinzu kommt der hohe technische Aufwand: Die Unternehmen müssen die Fahrzeuge umfangreich ausrüsten und über lange Zeiträume testen.

Weitere Projekte in Sachsen zum autonomen Fahren

In Sachsen wurden neben FLASH noch weitere Pilotprojekte wie ABSOLUT I und ABSOLUT II durchgeführt. Diese beiden Projekte konzentrierten sich in einem ersten Schritt auf die Erprobung eines automatisierten Shuttles und in einem weiteren Schritt wurde das System weiterentwickelt, um die Sicherheitsfahrer:innen durch die technische Leitstelle zu ersetzen. Seit diesem Jahr hat Sachsen die „Sächsischen Initiative Automatisierte Shuttle im ÖPNV – SIAS-ÖV“ gestartet. Damit stellt sich das Land als eine der bundesweiten Modellregionen für autonomes Fahren auf. 

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