Am 14. Oktober hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) die Gewinnerprojekte des Wettbewerbs „Anschlüsse gestalten. Mobil in ländlichen Räumen“ ausgezeichnet. Prämiert wurden Projekte von Kommunen, Verkehrsverbünden und Verkehrsunternehmen, die die Anschlussmobilität an Bahnhöfen in ländlichen Räumen verbessern. Dazu zählen auf den Schienenverkehr abgestimmte Busverbindungen, Bedarfsverkehre, sichere Fuß- und Radwege, Bike-and-Ride-Anlagen sowie Sharing-Angebote, die eine Weiterreise vom regionalen Bahnhof ohne Auto ermöglichen.
„Wer auf dem Land lebt, darf ohne eigenes Auto nicht abgehängt sein. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, was vor Ort möglich ist, wenn Kommunen und Verkehrsunternehmen gemeinsam anpacken. Davon brauchen wir mehr,“ sagt die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Sabine Poschmann (SPD).
Dr. Peter Jakubowski, Leiter des BBSR, ergänzte: „Ein guter Bahnanschluss hilft wenig, wenn man die letzten Kilometer nicht weiterkommt. Die ausgezeichneten Projekte setzen genau dort an: Sie stimmen Busse auf Züge ab, bringen Menschen aus den Ortsteilen zum Bahnhof und sorgen für sichere und kurze Wege beim Umsteigen. Das sind Lösungen, die den Alltag erleichtern. Und viele davon lassen sich auch andernorts umsetzen. Genau deshalb machen wir sie mit diesem Wettbewerb sichtbar.“
Drei Gewinnerprojekte mit Sonderauszeichnung
Die Gewinnerprojekte erhielten bei der Abschlussveranstaltung in Bonn jeweils 5.000 Euro. Der Wettbewerb fand im Rahmen des Programms „Region gestalten“ statt, das im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) durchgeführt wurde.
Drei der Gewinnerprojekte überzeugten bei der Bewertung besonders und erhielten zusätzlich eine Sonderauszeichnung:
- „ways2work“ (Hövelhof): In Hövelhof hat die Gemeinde gemeinsam mit der Nahverkehrsgesellschaft und 13 weiteren Unternehmen die Anbindung an das Industrie- und Gewerbegebiet verbessert. Eine Regiobuslinie bringt Mitarbeitende direkt zum Arbeitsplatz und wartet bei Zugverspätungen. Ein On-Demand-Angebot verbindet die Ortsteile zusätzlich mit dem Bahnhof.
- „Jedes Dorf, jede Stunde“ (Melsungen): Melsungen hat seine lokalen Verkehrsangebote aufeinander abgestimmt und Lücken im bestehenden Angebot geschlossen. Ziel war es, Orte mit mindestens 200 Einwohnenden stündlich an den Bahnhof anzubinden. Im Bahnhof finden Reisende nun außerdem ein Café und ein Kundenzentrum.
- Projekt in Dingolfing: In Dingolfing wurde analysiert, auf welchen Strecken Bedarf besteht. Daraufhin wurde das Busnetz von vier auf sechs Linien erweitert. Der neue Halbstundentakt der Busse ist auf die Ankunft der Regionalbahnen abgestimmt. Vom Bahnhof Dingolfing gibt es nun über 53 Möglichkeiten, in die Innenstadt zu gelangen – mehr als doppelt so viele wie vor dem Projekt.
Jury bewertet Alltagstauglichkeit und Übertragbarkeit
Die Jury, bestehend aus Vertretern aus Wissenschaft, Verwaltung und verschiedenen Verbänden, wählte die 20 Gewinnerprojekte anhand unterschiedlicher Kriterien aus. Entscheidend war unter anderem, dass sich die Projekte im Alltag bewährt haben und als Anregung für andere Kommunen dienen können. Auch die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel, die Qualität der Wege zum und vom Bahnhof sowie die Aufenthaltsqualität beeinflussten die Bewertung.
Das BBSR bereitet die Erfahrungen aus den Projekten für die breite Öffentlichkeit auf. Dabei zeigt es, welche Maßnahmen die Projektverantwortlichen umgesetzt haben und welche Faktoren zum Erfolg beigetragen haben. Als Ressortforschungseinrichtung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) berät das BBSR die Bundesregierung zu Fragen der Stadt- und Raumentwicklung sowie des Wohnungs-, Immobilien- und Bauwesens.
Alle 20 ausgezeichneten Projekte werden im Online-Nachschlagewerk Mobilikon des BBSR ausführlich vorgestellt.
