Wie können Fahrgemeinschaften die Mobilität im ländlichen Raum ergänzen? Bei der Online-Veranstaltung „Gemeinsam unterwegs? Mitfahren und Mitnehmen als Beitrag zur nachhaltigen Mobilität“ am 22. Oktober 2026 standen Erfahrungen mit Mitfahren-BW sowie Praxisbeispiele aus dem Landkreis Calw und aus Thüringen im Mittelpunkt. Dabei ging es auch darum, wie sich Vertrauen und Sicherheit beim Mitfahren stärken lassen.
Mitfahrangebote bündeln
Matti Kastendeich vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg berichtete über Mitfahren-BW. Das Portal bündelt Angebote verschiedener Mitfahrplattformen. Pendler:innen können kostenlos und anbieterübergreifend nach Routen suchen. Zudem informiert es Kommunen, Unternehmen und Pendler:innen rund ums Mitfahren. Herausforderungen bleiben: Wie lässt sich der Buchungsprozess verbessern? Wie können neue Fahrer:innen gewonnen und Arbeitgeber stärker eingebunden werden?
Arbeitgeber gewinnen, Beschäftigte erreichen
Michael Stierle vom Landratsamt Calw berichtete, wie der Landkreis die Plattform Karos für Pendelfahrten einsetzt. Gemeinsame Arbeitsorte, wiederkehrende Dienstzeiten und das vertraute Kollegium bieten gute Voraussetzungen für Fahrgemeinschaften. Dennoch zögern viele Arbeitgeber – selbst wenn der Landkreis die Kosten nahezu vollständig übernehmen könnte. Häufig fehlen intern die Kapazitäten, um das Angebot zu begleiten. Ein konkretes Problem wie hoher Parkdruck kann dagegen den Einstieg erleichtern. Immer mehr Beschäftigte nutzen die Plattform, bislang beteiligen sich jedoch nur wenige Arbeitgeber und aktive Personen. Stierle betonte deshalb: Es gilt, Beschäftigte persönlich anzusprechen und kontinuierlich über das Angebot zu informieren.
Vertrauen und Sicherheit stärken
Dr. Bernhard Edmaier von STEP Mobility zeigte am Thüringer Projekt MiCa, wie betriebliches Mitfahren gelingen kann. Verifizierte Profile, Datenschutz und klare Verhaltensregeln können Vertrauen schaffen. Wer bei kurzfristigen Ausfällen garantiert nach Hause kommt, kann sich besser auf das Angebot verlassen. Erfahrungen an der Fachhochschule Erfurt und am Universitätsklinikum Jena verdeutlichen zudem: Es braucht ausreichend aktive Nutzer:innen, sichtbare Angebote und konkrete Anreize, damit passende Fahrgemeinschaften entstehen.
Die Teilnehmenden der Veranstaltung wurden über interaktive Tool Slido aktiv eingebunden: Sie beantworten Fragen zum Thema Mitfahren und teilten zudem eigene Erfahrungen und Sichtweisen. Dr. Martin Schiefelbusch von der NVBW – Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg moderierte.
100 Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung, Verbänden und Vereinen, Verkehrsverbünden und Verkehrsunternehmen sowie Forschung und Wissenschaft nahmen am Termin teil. Eingeladen hatten das Zukunftsnetzwerk ÖPNV, die Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg und der Kabinettsausschuss Ländlicher Raum im Rahmen der Reihe „Mobilitäts-Offensive für ländliche Räume“.
*https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
