Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat gemeinsam mit dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg ein europaweites Vergabeverfahren gestartet. Gesucht wird ein Unternehmen, das die Nürnberger S-Bahn-Linien von Dezember 2030 bis Dezember 2044 betreibt. Aktuell bedient DB Regio die Linien.
Bayern und Baden-Württemberg schreiben die Verkehrsleistungen erstmals gemeinsam aus. Die BEG führt das Verfahren federführend durch, da der überwiegende Teil der Leistungen im Freistaat Bayern erbracht wird. Der Zuschlag soll voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2027 erteilt werden.
„Die Nürnberger S-Bahn ist ein wichtiger Pfeiler im bayerischen Bahnverkehr. Die Nachfrage dort ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen auf zuletzt 518 Millionen Personenkilometer im Jahr 2025“, erklärt Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der BEG ist.
Das ausgeschriebene Verkehrsangebot entspricht deshalb ungefähr dem heutigen Niveau. Auch BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs betont: „Das Angebot der S-Bahn Nürnberg bewegt sich auf einem insgesamt hohen Niveau, speziell nach den jüngsten Verbesserungen.“ Dazu zählen insbesondere die Einführung des 20-Minuten-Takts zwischen Nürnberg und Erlangen sowie die Verlängerung der S4 bis Crailsheim in Baden-Württemberg.
Die Fahrpläne sollen weitgehend unverändert bleiben. Lediglich kleinere Anpassungen sind vorgesehen:
- Zwischen Freitagabend und Sonntagabend sollen die S-Bahnen künftig häufiger mit zwei Zugteilen fahren.
- Ab Ende 2030 soll die S4 häufiger zwischen Ansbach und Crailsheim verkehren.
- Die S5 zwischen Nürnberg Hauptbahnhof und Allersberg wird nur noch während der Hauptverkehrszeiten fahren. Dafür verdichtet sich das Angebot des RE1 von Nürnberg über Ingolstadt nach München ab Ende 2028. Dadurch entsteht zwischen Nürnberg und Allersberg ein Halbstundentakt.
Unternehmen, die an der Ausschreibung teilnehmen, müssen zahlreiche Vorgaben beachten. Die BEG verpflichtet den künftigen Betreiber, 27 Alstom-Fahrzeuge des Typs Coradia Continental aus dem bestehenden Verkehrsvertrag zu übernehmen. Darüber hinaus dürfen eigene Gebrauchtfahrzeuge ab dem Baujahr 2010 oder Neufahrzeuge eingesetzt werden.
Die BEG will zudem die Service- und Betriebsqualität der Nürnberger S-Bahn kontrollieren. Unterschreitet der Betreiber festgelegte Standards, etwa bei der Pünktlichkeit, der Sauberkeit der Züge oder der Qualität der Fahrgastinformationen, werden Strafzahlungen fällig. Übertrifft das Unternehmen die Mindestanforderungen, kann es Bonuszahlungen erhalten.
Interessierte Unternehmen können ihre Angebote bis zum 18. Januar 2027 einreichen.
