Foto: NVBW

Bahnhalt wird zum Lernort

Modellprojekt „Baiersbronn Schule“

Den Bahnhaltepunkt Baiersbronn Schule gestalten Schüler:innen mit, damit er wieder attraktiv und einladend wird, und machen ihn so zum Lernort.

Über das Projekt

Ort Baiersbronn nahe Freudenstadt
Projektpartner Gemeinde Baiersbronn, Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), Johannes-Gaiser-Schulzentrum; Graffiti Coach World; Projektkoordination durch das Team Stationsentwicklung im Auftrag vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg
Zeitraum 04/2026 – 08/2026

 

Hintergrund

Der Haltepunkt Baiersbronn Schule wird überwiegend von den beiden angrenzenden Schulen genutzt. Die Schüler:innen sind damit die Hauptnutzendengruppe. Zum Projektstart wirkt die Station größtenteils ungepflegt und vernachlässigt, unter anderem durch viel Müll und zahlreiche Graffitis. 

Hier einige Eindrücke vom Haltepunkt nach und vor dem Projekt:

 

Ziele und Lösungsansätze

Das Projekt verfolgt das Ziel, die Aufenthaltsqualität sowie das Erscheinungsbild des Haltepunkts Baiersbronn Schule deutlich zu verbessern und ihn wieder als einladenden Ort wahrnehmbar zu machen. Gleichzeitig sollen die beteiligten Schüler:innen ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein entwickeln und sich mit „ihrem“ Haltepunkt identifizieren, indem sie aktiv an dessen Gestaltung mitwirken. Durch das gemeinsame Engagement aller Projektbeteiligten und die angestrebte langfristige Zusammenarbeit soll darüber hinaus eine nachhaltige Wirkung erzielt werden, die über die Projektlaufzeit hinaus Bestand hat.

 

 

Sandra Eisenhauer, Team StationsentwicklungFoto: Baiersbronn Touristik / Max Günter

Ja, es ist ein kleines Projekt. Aber auch ein kleines Projekt zeigt, was entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam anpacken. So wächst eine Kultur der gemeinsamen Verantwortung, bei der jede und jeder seinen Teil beiträgt.

 

  • Partizipation: Schüler:innen gestalten im Rahmen von Projekttagen aktiv „ihren“ Haltepunkt, Gemeinde und AVG unterstützen in Vorbereitung und Umsetzung
  • Aufwertung & Instandsetzung: Reinigung, kleinere Reparaturen und gestalterische Maßnahmen – vom Bahnsteig bis zur Unterführung
  • Umgang mit Graffiti: Entfernung und gezielte Neugestaltung mit Künstler:in
  • Gemeinsame Verantwortung: Abstimmung und Zusammenarbeit aller Beteiligten
  • Nachhaltige Sicherung: Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für den langfristigen Erhalt des gestalteten Haltepunkts

 

Gemeinsam gestaltet: Eindrücke aus den Projekttagen

 

Schritt für Schritt zu einem attraktiven Haltepunkt

Die Veränderung am Haltepunkt Baiersbronn Schule begann nicht erst mit den Spraydosen. Bereits in den Wochen vor den Projekttagen erneuerten die Projektpartner die geflieste Fläche am Zugang zur Personenunterführung, erneuerten die äußeren Glasscheiben der Wartehäuschen und reinigten die Betonwände. Beschädigte Stellen wurden ausgebessert, verspachtelt, grundiert und für die Gestaltung vorbereitet. Außerdem stellten die Beteiligten einen zusätzlichen Abfalleimer am Bahnsteig sowie einen weiteren an der Unterführung auf.

 

Jihad Horatschek, Stationsmanagement der AVGFoto: Baiersbronn Touristik / Max Günter

Wir hatten den Haltepunkt schon länger im Blick und das Thema in die Gespräche mit dem Team Stationsentwicklung eingebracht. Aus dieser ersten Idee hat sich eine Zusammenarbeit entwickelt, in die alle ihre Erfahrungen und Möglichkeiten eingebracht haben.

 

Projekttage vom 22. bis 24. Juli. Was lange von Müll, alten Graffiti, beschädigten Wartehäuschen und einer dunklen Unterführung geprägt war, erhielt innerhalb von drei Tagen ein neues Gesicht. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Graffiti-Künstler Open Mike verwandelten 14 Schüler:innen die Unterführung unter den Bahngleisen in einen farbenfrohen Durchgang. Dabei standen die Jugendlichen nicht nur mit der Sprühdose an der Wand, sondern brachten auch ihre eigenen Ideen ein. 

 

Oliver Balle, Rektor der Werkrealschule in BaiersbronnFoto: NVBW

An unserer Schule ist es uns wichtig, handlungsorientiert zu arbeiten. Dieses Projekt ist dafür eine ideale Verbindung. Gleichzeitig fördert es das Verantwortungsgefühl der Schülerinnen und Schüler, denn sie haben diesen Ort selbst mitgestaltet.

 

Bereits vor Beginn der Projekttage entwickelte Open Mike ein Gestaltungskonzept. In den drei Tagen wurde dieses mit den Ideen der Schüler:innen erweitert. Nach einer Einführung in Graffiti-Kunst und Sprühtechniken setzten sie die Entwürfe selbst um. Helle Flächen und farbenfrohe Motive prägen nun die zuvor dunkle Unterführung. Auch an anderen Stellen sind die Veränderungen sichtbar. Die Schüler:innen gestalteten drei Mülleimer am Bahnsteig und zwei weitere am nahegelegenen Biketrack neu.

 

Michael Becker, Künstler, Graffiti Coach WorldFoto: Baiersbronn Touristik / Max Günter

Ich unterstütze solche Projekte gerne, weil Kunst im öffentlichen Raum mehr kann als schön aussehen: Sie macht Orte lebendig, gibt ihnen einen eigenen Charakter und schafft Identifikation für die Menschen, die täglich dort unterwegs sind.

 

Mit dem letzten Sprühstoß endete die Entwicklung des Haltepunkts nicht. Im August 2026 erhielt das Kunstwerk einen Feinschliff und einen Anti-Graffiti-Schutz. Die Gemeinde bringt zudem am Wartehäuschen typische Baiersbronn-Motive an und stärkt damit den lokalen Bezug des Ortes. Die Beteiligung der Schülerinnen und Schüler fördert die Identifikation mit dem Haltepunkt und stärkt die Verantwortung für seinen langfristigen Erhalt.

 

Michael Ruf, Bürgermeister Gemeinde BaiersbronnFoto: NVBW

Niemand wollte dort gerne durchlaufen. Jetzt stehen wir hier vor einer grandiosen Galerie, die diesen Ort unheimlich aufwertet, städtebaulich ebenso wie für die Aufenthaltsqualität. Statt einer dunklen Röhre ist ein heller und freundlicher Ort entstanden.

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