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Studie zeigt sozialen Nutzen von Bürgerbussen und Bürgerfahrdiensten

Ehrenamtlich getragene Gemeinschaftsverkehre stärken Mobilität und soziale Teilhabe älterer Menschen im ländlichen Raum.

Die neue Evaluationsstudie „Mobilität und Mehr. Gemeinschaftsverkehre in Baden-Württemberg“ im Auftrag der NVBW - Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH belegt die Bedeutung ehrenamtlich getragener Mobilitätsangebote für die Bewohner:innen des ländlichen Raums. Sie ist anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Landesförderung für Gemeinschaftsverkehre erschienen. Die Untersuchung kombiniert quantitative und qualitative Befragungen, Workshops sowie teilnehmende Beobachtungen vor Ort. Insgesamt nahmen 31 Gemeinschaftsverkehre an der Fahrgastbefragung und 86 an der Aktivenbefragung teil; acht Orte wurden als Fallbeispiele vertieft untersucht.

Die Fahrgäste zeigen laut Befragung eine große Wertschätzung gegenüber den Ehrenamtlichen. Die Aktiven engagieren sich vor allem aus Verbundenheit mit ihrer Gemeinde und den Menschen vor Ort – weniger aus Interesse an Verkehrsthemen. Ihre Tätigkeit stifte Sinn und führe zu einer „emotionalen Dividende“. Ein Aktiver berichtet beispielsweise, dass die Dankbarkeit der Fahrgäste der Hauptantrieb für sein Engagement sei. 

Ältere Menschen profitieren besonders

Die Verkehre werden vor allem für Einkaufswege sowie Arzt‑ und Therapiebesuche genutzt. Viele Fahrgäste sind hochbetagt und profitieren von einer „sozialen Dividende“, etwa durch die Unterstützung durch die Fahrer:innen im Alltag sowie regelmäßige Gespräche und soziale Kontakte. Ein Aktiver berichtet: „Sie [die mitfahrenden Damen] reden alle permanent miteinander, weil sie sich sonst nicht sehen.“ 

Die Gemeinschaftsverkehre machen insbesondere ältere Fahrgäste unabhängiger von Hol- und Bringfahrten durch Verwandte oder Nachbarn. Auch das hohe Maß an Verlässlichkeit des Angebots heben sie positiv hervor. 

Verlust der Angebote hätte weitreichende Folgen

Fast ein Drittel der Befragten müsste bei einem Wegfall der Gemeinschaftsverkehre auf Aktivitäten verzichten. Als Alternativen blieben oft nur beschwerliche Fußwege, selten der klassische öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) oder gelegentlich Mitfahrt im Pkw von Angehörigen. Viele ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen könnten ohne die Gemeinschaftsverkehre  nicht in ihrem Zuhause wohnen bleiben.

Im Vergleich zu anderen Angebotsformen – etwa Bürgerrufautos oder sozialen Fahrdiensten – fährt in Bürgerbussen ein deutlich diverseres Publikum mit. Die Bürgerbusse können unabhängig vom Fahrtzweck und ohne vorherige Buchung genutzt werden und dienen vielfach auch jüngeren Menschen zur Ergänzung des Verkehrsangebots.

Kommunen und Land sollen Beratungs- und Förderangebote sichern

Viele Gemeinschaftsverkehre benötigen in der Aufbauphase intensive rechtliche und organisatorische Beratung. Der Wunsch nach dauerhaft verfügbaren und erweiterten Unterstützungsangeboten sei groß. Ein Träger appelliert an das Land: „Was wir leisten, sollte mehr anerkannt werden. Das ist viel mehr als ÖPNV. Es geht um Zuwendung und persönlichen Service – und das werden wir in Zukunft noch viel mehr brauchen.“

Die Studie zeigt, dass Gemeinschaftsverkehre einen entscheidenden Beitrag zur Mobilität und sozialen Teilhabe leisten – besonders in einer alternden Gesellschaft. Die Autor:innen kommen zu dem Schluss, dass die Verkehre Mobilität sichern, Versorgungslücken schließen und langfristig helfen, klimabelastende Einzelfahrten mit dem privaten Pkw zu reduzieren. 

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