Gemeinschaftsverkehre werden meist mit Autos oder Kleinbussen angeboten. Doch auch Fahrradrikschas ermöglichen gemeinschaftliche Mobilität. Sie bringen vor allem ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen klimaschonend und leise ins Freie oder zu Zielen im Quartier. Für den Antrieb sorgen ehrenamtliche Fahrer:innen mit ihrer Muskelkraft. Zum Teil verfügen die Rikscha-Modelle aber auch über eine elektrische Tretunterstützung.
Viele Angebote sind Mitglied im Bonner Verein Radeln „Radeln ohne Alter“. Darunter auch 13 Angebote aus baden-württembergischen Städten wie etwa Baden-Baden, Freiburg oder Lörrach. Unter dem Motto „Das Recht auf Wind in den Haaren“ laden ehrenamtlich tätige Menschen zu Ausfahrten ein, die nicht mehr selbst Rad fahren können. Dabei ist der Weg das Ziel: Die Fahrgäste erleben ihre Umgebung, kommen ins Gespräch und nehmen stärker am öffentlichen Leben teil. 2024 gehörten dem Netzwerk bundesweit 143 Standorte an; rund 55.600 Menschen fuhren mit.
Andere Initiativen übernehmen zusätzlich konkrete Alltagswege. Ein Beispiel ist die „Zuffka“ des Bürgervereins Zuffenhausen (Stadtbezirk von Stuttgart). Seit 2019 bringen Ehrenamtliche ihre Fahrgäste kostenlos zum Einkauf, zur Arztpraxis oder zur Physiotherapie. Die Rikschas fahren in Zuffenhausen, Rot und Stammheim und nehmen auch Rollatoren mit. So schließen sie Lücken, wo Haltestellen oder Geschäfte schwer erreichbar sind. Bis Dezember 2024 legte das Team rund 30.000 Kilometer zurück. Für sein Engagement erhielt es den Umweltpreis der Stadt Stuttgart 2023.
Alltags- und Freizeitwege verbindet die Fahrradrikscha in Schondorf. Seit 2021 fährt ein ehrenamtliches Team Menschen zum Einkauf, zu Arztterminen und zu Freund:innen, bietet aber ebenso Spazierfahrten an. Bei der 1275-Jahr-Feier übernahm es zudem den Fahrdienst zum Festzelt.
Die Angebote leben vom freiwilligen Engagement. Fahrer:innen schenken Zeit, Muskelkraft und Aufmerksamkeit. Sie ermöglichen Mobilität und schaffen Begegnungen zwischen Generationen. Rikschas ersetzen weder Bus noch Taxi. Sie können den öffentlichen Verkehr jedoch auf kurzen Wegen ergänzen und gesellschaftliche Teilhabe stärken.
Auch das europäische Projekt „Shared Multimodal Mobility for All“ (SMALL) greift diesen Gedanken auf. Es untersucht, wie geteilte Mobilität ältere Menschen, Familien und Menschen mit körperlichen Einschränkungen besser erreichen kann. In elf Pilotprojekten testet SMALL angepasste Fahrzeuge, digitale Lösungen und ehrenamtliche Modelle. Damit rückt eine zentrale Erfahrung der Rikscha-Initiativen in den Fokus: Gute Mobilitätsangebote orientieren sich an den Bedürfnissen der Menschen und schließen niemanden aus.
Weitere Rikscha-Angebote aus Baden-Württemberg zeigen die Bandbreite
- Das Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg nutzt Rikschas in allen seinen Einrichtungen.
- Die Stuttgarter Jugendhaus gGmbH (stjg) nutzt in verschiedenen ihrer Stadtteil- und Familienzentren (SFZ) elektrisch unterstützte Fahrradrikschas. Diese Rikschaprojekte dienen vor allem der Förderung von Mobilität, Inklusion und dem generationenübergreifenden Austausch (Stadtteil- und Familienzentren Giebel, Raitelsberg, Mäulentreff).
- Auch die Malteser bieten etwa in Ellwangen Rikschafahrten für ältere Menschen und Menschen mit Demenz an. Malteser Baden-Württemberg
