Die ersten Linienbusse im Stuttgarter Stadtverkehr fahren jetzt rein elektrisch – ausschließlich über Batterien angetrieben. Die dazu nötige elektrische Ladeanlage im Busbetriebshof Stuttgart-Möhringen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) wurde am 4. September 2025 in Betrieb genommen. Ebenso laufen die ersten zehn Batterie-Gelenkbusse der SSB nun im Linienverkehr. Das Land Baden-Württemberg unterstützt diese Aktivitäten mit Zuschüssen nach dem Landesgemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz (LGVFG) im Bereich Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Die Erstellung der Ladeanlage Möhringen wird mit einem Zuschuss von rund 13 Millionen Euro gefördert. Eine weitere Ladeanlage entsteht im Busbetriebshof Gaisburg. Für die Beschaffung von 49 Batteriebussen stellt das Land für die Jahre 2024 und 2025 einen Zuschuss von insgesamt rund 14,2 Millionen Euro bereit.
An der Inbetriebnahme der Ladeanlage Möhringen nahm Verkehrsminister Winfried Hermann teil, außerdem der stellvertretende Abteilungsleiter für Mobilität im Regierungspräsidium Stuttgart, Hermann Klyeisen, der Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, Peter Pätzold, ebenso der Vorstandssprecher der SSB, Thomas Moser, und der Chef der Bussparte bei Daimler, Till Oberwörder. Verkehrsminister Winfried Hermann sagte bei der Einweihung: „Mit der neuen Ladeinfrastruktur und den neuen Bussen macht die SSB einen weiteren Schritt in Richtung einer klimafreundlichen Zukunft im Nahverkehr. Als Land unterstützen wir das Ziel des emissionsfreien Busverkehrs im Stuttgarter Kessel und darüber hinaus mit umfangreichen Förderungen. Die SSB erhält rund 24 Millionen für den Aufbau von Ladeinfrastruktur und über 14 Millionen für die passenden Elektrobusse. Die Fertigstellung des Betriebshofs in Möhringen ist ein Schub für den batterie-elektrischen Busverkehr in der Landeshauptstadt.“
Neue Ladeanlage in Möhringen
Die neue Ladeanlage in Möhringen umfasst 28 elektrische Ladepunkte. Somit können bei 28 Buseinheiten innerhalb derselben Anlage die elektrischen Speicherbatterien aufgeladen werden. Die Aufladung erfolgt in der nächtlichen Betriebspause der Busse. Die mechanische und elektrische Verbindung zwischen Ladepunkt und Bus stellt jeweils ein Pantograf her, der sich vom Gerüst der Ladeanlage auf das Dach des Busses absenkt. Es wird mit einer Ladespannung von bis zu 720 Volt gearbeitet und eine Ladeleistung bis zu 180 Kilowatt (kW) übertragen, je nach Ladezustand der Batterie. Die Lademöglichkeit über den absenkbaren Pantograf pro Standplatz spart Fläche und ist unfallsicherer gegenüber der Version mit Ladekabeln, die aus Ladesäulen kommend über den Boden verlaufen. Im Vergleich zu Bussen, bei denen jeweils ein Pantograf auf dem Dach jedes Fahrzeugs montiert ist und sich im Ladezustand nach oben gegen den Ladepunkt erhebt, spart die in Stuttgart gewählte ortsfeste Version, bei welcher der Pantograf von oben nach unten ausfährt, Platz auf dem Dach des Busses, der für weitere Batterien genutzt werden kann.
Da nach dem täglichen Einsatz die Busse im Depot gereinigt und technisch überprüft werden, verteilt sich sowohl der abendliche Zugang der Busse zeitlich ebenso wie das morgendliche Ausrücken. Somit steht für den einzelnen Bus jeweils eine ausreichende mehrstündige Ladezeit zur Verfügung, die genügt, damit bei jedem Fahrzeug bis morgens beim Ausrücken die Batterie wieder vollständig geladen ist. Dabei gilt das einfache Prinzip: Das Fahrzeug, das als erste abends eingerückt ist – und als erstes geladen wurde – steht ganz vorne und rückt demzufolge morgens auch als erstes wieder aus. Durch diese zeitliche Staffelung des Beginns der Ladezeit über einen Zeitraum von mehr als fünf Stunden wird bewirkt, dass jeweils nur für einen relativ kleinen Teil der Flotte gleichzeitig Ladestrom abgerufen werden muss. Das digitale Lademangement erstellt automatisch jeweils das optimale Ladeprofil pro Fahrzeug.
Während die nun eröffnete Ladeanlage in Stuttgart-Möhringen 28 Ladepunkte umfasst, werden im Busbetriebshof Stuttgart-Gaisburg in einer ersten Ausbaustufe 37 Ladepunkte installiert werden. Damit kann die SSB in einer Nacht insgesamt 65 Busse aufladen. Außerdem lassen sich tagsüber weitere Busse nachladen. Auf dieser technischen Grundlage ist es in einer weiteren Ausbaustufe möglich, zusätzliche Ladepunkte einzurichten. Mit der neuen Ladeanlage in Möhringen gehört die SSB zu einem der größten Betreiber dieser relativ neuartigen Technik. Die noch größere Anlage in Gaisburg wird dazukommen.
