Mit dem Abschluss des Forschungsprojekts RABus („Reallabor für den automatisierten Busbetrieb im ÖPNV in der Stadt und auf dem Land“) hat Baden-Württemberg einen wichtigen Meilenstein für die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs erreicht. In Mannheim und Friedrichshafen haben autonom fahrende Kleinbusse seit Oktober 2024 erfolgreich ihre Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt. Der Projektbetrieb endete in Mannheim Ende 2024, in Friedrichshafen am 30. Juni 2025. Auch nach Projektende sollen die Fahrzeuge dort weiter ohne Fahrgäste zu Testzwecken eingesetzt werden.
Erfolgreiche Testfahrten unter realen Bedingungen
Ziel von RABus war es, automatisierte Mobilitätsangebote im städtischen wie im ländlichen Raum unter realen Bedingungen zu erproben. Die Testfahrten zeigten: Die Technologie funktioniert – und sie wird von den Menschen akzeptiert. Insgesamt nahmen rund 1.600 Proband:innen an 430 Testfahrten teil, bei denen über 2.100 Kilometer im automatisierten Betrieb auf öffentlichen Straßen zurückgelegt wurden. Die Fahrzeuge waren zuverlässig unterwegs – selbst bei Regen, Nebel und dichter Verkehrslage. In Friedrichshafen erreichten die Shuttles dabei Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h – ein Novum im Vergleich zu ähnlichen Projekten in Deutschland.
Verkehrsminister Winfried Hermann betonte: „Mit dem Projekt RABus haben wir gezeigt, dass automatisiertes Fahren im öffentlichen Verkehr kein Zukunftsversprechen, sondern bereits heute erlebbar ist. Die Rückmeldungen zeigen: Wer automatisierte Mobilität selbst erlebt, gewinnt Vertrauen in die Technologie. Damit unterstreicht Baden-Württemberg seine Rolle als Gestalter und Erprobungsraum für innovative Mobilitätslösungen.“
Neben dem reibungslosen Fahrbetrieb war auch die gesellschaftliche Akzeptanz ein zentraler Bestandteil der Untersuchung. Laut den beteiligten Forschenden vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) fühlten sich 93 Prozent der Teilnehmenden während der Fahrt sicher. Vorbehalte gegenüber dem automatisierten Fahren konnten durch das direkte Erleben der Technik deutlich reduziert werden. So halbierte sich der Anteil der skeptischen Personen nach der Teilnahme an einer Testfahrt. Die Fahrbegleitungen an Bord, das Platzangebot und die komfortable Ausstattung wurden von den Teilnehmenden positiv bewertet.
Simulationen zeigen Potenzial für ganz Baden-Württemberg
Simulationsmodelle des KIT zeigen, dass autonome Shuttles den bestehenden ÖPNV sinnvoll ergänzen könnten – insbesondere in ländlichen Regionen und Stadtrandlagen. „Vielversprechende Anwendungsgebiete haben wir in nahezu allen Gemeinden Baden-Württembergs gefunden“, sagt Martin Kagerbauer vom Institut für Verkehrswesen des KIT. Ein flächendeckender Einsatz autonomer Fahrzeuge könnte dazu beitragen, das ÖPNV-Angebot attraktiver zu gestalten und neue Fahrgäste zu gewinnen.
Das vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg geförderte Projekt wurde vom Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) koordiniert. Beteiligt waren zudem das KIT, die Stadtverkehr Friedrichshafen GmbH (SVF), die Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH (RAB), die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) sowie die ZF Friedrichshafen AG.
Verkehrsminister Hermann formulierte ein klares Ziel: „Unser Ziel bleibt, automatisierte Angebote aus dem Testbetrieb in den Regelbetrieb zu bringen – und damit moderne Mobilität für alle zugänglich zu machen.“
Der vollständige Projektbericht soll Anfang 2026 veröffentlicht werden.
