Eine weiße Straßenbahn fährt durch eine gepflasterte Straße in Freiburg.
Foto: Martin Randelhoff/qimby.net

Die Straßenbahn

Straßenbahnen sind ein leistungsfähiges Verkehrsmittel für Städte und ihr Umland: Hier erfahren Sie mehr über Straßenbahnnetze in Baden-Württemberg und die Ziele und Pläne des Landes in diesem Bereich.

In Baden-Württemberg gibt es fünf Straßenbahnnetze: in Stuttgart, der Region Mannheim-Heidelberg-Ludwigshafen, Karlsruhe-Heilbronn, Freiburg und Ulm. Wie in vielen anderen Regionen auch, sind in den Nachkriegsjahrzehnten besonders kleinere Verkehre stillgelegt, die Netze in den größeren Städten dagegen vor allem seit den 1980er Jahren ausgebaut und modernisiert worden. Mit der Regionalstadtbahn Neckar-Alb wird demnächst ein neues System im Raum Tübingen-Reutlingen und den umgebenden Kreisen hinzukommen. Ein weiterer Verkehr ist im Raum Ludwigsburg in der Planung.

Die Straßenbahn ist in vieler Hinsicht die „kleine Schwester“ der Eisenbahn, hat aber auch ihre ganz eigenen Merkmale. Sie unterscheidet sich vor allem hinsichtlich der eingesetzten Fahrzeugtypen und -kapazitäten sowie in der Trassierung von den „großen“ Eisenbahnen. Die gemeinsame rechtliche und technische Grundlage städtischer Bahnen ist die Bau- und Betriebsordnung für Straßenbahnen (BO Strab). Sie enthält zahlreiche Regelungen, durch die sich städtische Bahnen von Eisenbahnen unterscheiden. So findet der Verkehr nach BO Strab grundsätzlich auf Sicht in Verantwortung des Fahrers bzw. der Fahrerin und nur in Ausnahmefällen signalgesteuert statt.

„Straßenbahnen“ sind auch in sich recht unterschiedlich. Diese Bezeichnung wird hier verwendet, weil es die älteste Form solcher Bahnen ist und der Begriff auch in der BO Strab genutzt wird. Zu Straßenbahnen im betrieblichen und rechtlichen Sinne zählen jedoch auch alle U-Bahnen, Stadtbahnen und manche Überlandbahnen. In diesem Sinne ist „Straßenbahn“ ein Sammelbegriff für all diese Angebotsformen.

Die Trennung zwischen Straßenbahnen und Eisenbahnen ist jedoch nicht immer leicht, denn es gibt auch Verkehrsangebote, die beides kombinieren. Da diese Idee wesentlich in Karlsruhe entwickelt wurde, ist sie auch als „Karlsruher Modell“ bekannt.

Mehr zu Straßenbahnen finden Sie hier:

Zahlen und Fakten aus Baden-Württemberg

Was ein Straßenbahnnetz ist, ist nicht immer leicht zu beantworten: So gab es in dem zusammenhängenden Netz im Raum Mannheim vor dem Zusammenschluss zur Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) 2005 fünf separate Verkehrsunternehmen. Und bei dem weit über Karlsruhe hinaus gewachsenen Mehrsystemnetz stellt sich die Frage, ob nicht Heilbronn inzwischen separat gezählt werden sollte, nachdem dort eigene lokale Linien verkehren.

Keine klassischen Straßenbahnen, aber ähnlichen Regeln unterliegend sind die sogenannten „Bahnen besonderer Bauart“, etwa Stand- und Schwebeseilbahnen. Sie dienen meist vorwiegend dem Tourismus; mit der Zahnradbahn „Zacke“ und der Standseilbahn in Stuttgart sowie der Bergbahn Künzelsau gibt es in Baden-Württemberg jedoch auch Fälle, wo solche Bahnen in den sonstigen ÖPNV integriert unterwegs sind. Die höchstgelegene Tram-Haltestelle Deutschlands liegt jedoch nicht an einer dieser Bahnen, sondern mit dem Halt „Botanischer Garten“ an der Linie 2 in Ulm.

Die Straßenbahnbetriebe unterscheiden sich dabei erheblich nach Größe und Bauart, wie die folgende Tabelle zeigt. Früher hatte Baden-Württemberg mit Ulm den kleinsten Straßenbahnbetrieb der alten Bundesrepublik. Am anderen Ende des Spektrums hat Karlsruhe inzwischen das größte Netz, wenn alle von den Mehrsystem-Stadtbahnen befahrenen Eisenbahnstrecken mitgezählt werden. Aber auch die Strecken der RNV bilden im Meterspurbereich eines der größten zusammenhängenden Netze bundes- und europaweit.

 Freiburg (VAG)Karlsruhe und Region  (VBK+AVG)Rhein-Neckar (RNV)Stuttgart (SSB)Ulm (SWU)
Einwohner im Bedienungsgebiet (Tsd.)262 9634 291 663839 0751 010 321189 434
Anzahl Linien52715192
Länge Streckennetz (km)35,5632,9117,4130,519,3
Fahrzeuge7633311920422
Fahrleistung (Mio. Zugkm.)3553k. A.899215 9281444
Fahrgastfahrten (Mio.)49 854109 635111 976110 53711 560

Datenquelle: VDV-Statistik 2020 - Hinweise: „Einwohner im Bedienungsgebiet“ und „Fahrgäste“ bezieht sich jeweils auf das Unternehmen, da sich die Werte für die einzelnen Verkehrsangebote nicht aufteilen lassen.

Was macht das Land?

Da Straßenbahnen nach dem ÖPNVG in die Zuständigkeit der kommunalen Aufgabenträger fallen, ist das Land hier vor allem über die Investitionsförderung nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) und weiteren Programmen engagiert. Der Fördersatz beträgt in der Regel 50 Prozent und kann bis 75 Prozent betragen. Die Mitfinanzierung von Fahrzeugen, Streckeninfrastruktur und Betriebshöfen von Straßenbahnen gehört zu den größten und ältesten Fördertatbeständen. Aktuell werden dafür 184,2 Mio. € pro Jahr bereitgestellt. Beispielsweise für folgende Projekte:

Daneben kommen weitere Förderprogramme für den ÖPNV insgesamt auch dem Bereich Straßenbahn zugute, wenn etwa die Betriebsleittechnik eines Verkehrsunternehmens modernisiert wird. Auch von generellen Maßnahmen wie die ÖPNV-Finanzierungsreform von 2018 nutzen potenziell auch dem kommunalen Schienenverkehr.

Die zweite wichtige Landesaufgabe im Bereich Straßenbahn ist die Aufsichtsfunktion. Das Ministerium für Verkehr ist als oberste Verkehrsbehörde auch für den Bau und Betrieb der nichtbundeseigenen Eisenbahnen, Straßenbahnen und Seilbahnen zuständig.

Als Besteller von Verkehrsleistungen ist das Land bisher nicht in größerem Maß tätig geworden, da die Aufgabenträgerschaft bei den Städten und Gemeinden liegt. Allerdings wird ein Teil der regionalen (als S-Bahn bezeichneten) Verkehre des Karlsruher Mehrsystemnetzes als SPNV vom Land bestellt, da diese Strecke ursprünglich Nebenstrecken der Deutschen Bahn waren. Für die Regionalstadtbahn Neckar-Alb ist dasselbe geplant. Über die Landesanstalt für Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg ist das Land dort außerdem Miteigentümer der neuen Stadtbahnflotte.

Gute Beispiele

Karlsruher Modell - zwei Welten verbinden

Die Verbindung von Straßenbahn- und Eisenbahn zu einem durchgehenden Angebot ist unter dem Namen „Karlsruher Modell“ weit über Baden-Württemberg hinaus bekannt geworden und hat zahlreiche Nachahmer gefunden. Die Idee: Mit sogenannten Mehrsystemfahrzeugen und entsprechend geschultem Personal werden die technischen und rechtlichen Grenzen zwischen Straßenbahn und Eisenbahn überwunden. Damit sind durchgehende Fahrten aus der Region in die städtischen Netze möglich. Durch entfallende Umsteigezwänge ist dies zeitsparend und vor allem bequemer. Daher führen diese Angebote meist zu deutlichen Fahrgastzuwächsen.

Die Verbindung der beiden Systeme mit einem übergreifenden Verkehrsangebot wurde in Karlsruhe zwar nicht erfunden, jedoch maßgeblich vorangetrieben. Beginnend mit der Integration der Albtalbahn in das städtische Straßenbahnnetz ab 1957 ist dort inzwischen ein weit in die Region ausgreifendes Netz entstanden, das unter der Marke S-Bahn vermarktet wird. Von Karlsruhe ausgehend, fährt die Stadtbahn seit 2001 auch in die Innenstadt von Heilbronn, wo inzwischen ein eigenes Liniennetz entstanden ist.

Grenzüberschreitend

Die Straßenbahn ist in Baden-Württemberg zudem nicht nur in technischer Hinsicht grenzüberschreitend: im Norden reichen die Schienen von Mannheim bis nach Ludwigshafen und Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz, und auch ein Stück Hessen wird von der dortigen Linie 5 durchfahren. Seit 2014 verkehrt die Linie 8 der Basler Tram sehr erfolgreich über die EU-Außengrenze nach Weil am Rhein, und seit 2017 die Linie D von der Europametropole Straßburg ins badische Kehl.

Anpassungsfähig

Moderne Straßen- und Stadtbahnen verbinden Komfort und Attraktivität des Schienenverkehrs mit einer großen Flexibilität in der Gestaltung. So können sie gut auf die Anforderungen vor Ort zugeschnitten werden. Dies gilt sowohl bei der Dimensionierung des Systems (etwa Fahrzeuggrößen) als auch in der Streckenführung. So können sich entlang derselben Linie klassische Strecken im Straßenverlauf abwechseln mit solchen in einer Fußgängerzone, im Tunnel und sogar überörtlichen Verbindungen. Einige Beispiele aus Baden-Württemberg sind etwa

  • Straßenbahnen in historischen Innenstädten: Freiburg, Karlsruhe-Durlach
  • Stadtbahnstrecken mit eigener Trasse für höhere Reisegeschwindigkeiten: Freiburg-Landwasser, Mannheim-Vogelstang, viele Abschnitte in Stuttgart und Karlsruhe
  • Strecken in Dorfkernen und verkehrsberuhigten Bereichen: Heidelberg-Kirchheim, Linkenheim-Hochstetten, Stuttgart-Hölderlinplatz
  • Rasengleise und ähnliche Bauformen: Karlsruhe-Rheinstrandsiedlung, Stuttgart-Dürrlewang
  • Tunnelabschnitte: Innenstadttunnel in Stuttgart und Karlsruhe, weitere Tunnelstrecken in Stuttgart
  • überörtliche Verbindungen: Linie 5 (ehemalige OEG) Mannheim - Weinheim - Heidelberg - Mannheim, zahlreiche Strecken im Raum Karlsruhe, Stuttgart-Ostfildern
  • beschleunigte Verkehre mit „Expresszügen“: Karlsruhe, Rhein-Neckar
  • Strecken für besondere Zwecke: Stuttgart (Anbindung Neckarpark/Stadion), Mannheim (Anbindung Messe/Maimarkt), Karlsruhe (Pendlerfahrten zum KIT-Campus Nord, Verbindung zum Rheinstrandbad)

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